Christian Moll

Meine Malerei
Meine Bilder sind Ergebnisse aus vorangehenden internen und externen Prozessen, die von meinem polaren Charakter geprägt sind.
Diese ausgeprägten inneren Spannungen mit emotional gegenläufigen Stimmungen sind meine Triebfeder, mich an eine meist große Leinwand zu stellen und den Malprozess als Auslassventil zu instrumentalisieren. Dabei erlebe ich eine Art „Flow“, die das Malen unbewusst stattfinden lässt. Dieser „Flow“ gibt mir eine für mich fast ungeheure Sicherheit und Selbstverständlichkeit, so dass ich mich in diesen Momenten nur selten vom Bild entfernen muss, um die Wirkung meiner Striche auf das Ganze zu sehen. Alles fließt tranceartig auf die Leinwand.
Im Malprozess denke ich grösstenteils nicht darüber nach, was ich jetzt tue. Ich nutze das malerische Denken: das Denken in Bildern. Deswegen sind für mich Fragen wie „was haben Sie beim Entstehen des Bildes gedacht“ im klassischen Sinne nicht zu beantworten.
Über das handwerkliche Zeichnen und Malen hinausgehend entsteht in meinen Bildern meistens der Ausdruck, der meine Emotionen während dieses Malprozesses oder der aktuellen Lebenssituation widerspiegelt. Dieser Ausdruck zeigt sich in der Art und Heftigkeit der Strichführung sowie Bild- und Farbkomposition. Wird das Bild konkret, kommt ein „bewusstes“ Auseinandersetzten mit dem Bild hinzu.
Der Vielfältigkeit meiner Emotionen und Stimmungen entsprechend, entstehen dabei sehr unterschiedliche Bilder, die sich nicht nur in ihren Motiven, Farb- und Bildkompositionen unterscheiden, sondern auch im Malstil bzw. in den unterschiedlichen Malrichtungen. Gepaart mit dem Bedürfnis nach Entwicklung, das immer wieder auf‘s Neue durch das freie Ausleben des Malprozesses voran getrieben wird, kann dadurch auch „Neues“ erschaffen werden. Wenn meine Bilder nicht mehr unterschiedlich sind, dann geht für mich die Authentizität meiner Malerei verloren.
Die immer fortwährende Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Umgebung führt zwangsläufig zur Veränderung. Es ist ein Leben auf der Suche nach immer wieder neuen „Flows“, die es gilt spontan zu nutzen. Dies bedeutet, dass meine Kunst dann zu Ende ist, wenn die „Flows“ weg sind. Denn dann bleibt für mich nur noch die Anwendung meiner erworbenen Technik und das Schöpfen aus dem Portfolio meiner Erfahrungen beim Malen. In diesem Falle laufe ich Gefahr der „Variantenmalerei“, was gleich bedeutend ist mit der Situation, die S.D. Sauerbier wie folgt zitiert: „Einen Stil hat ein Künstler dann gefunden, wenn ihm nichts mehr einfällt.“
Summa summarum ist Voraussetzung für das Gelingen meiner Malerei: sie zu leben.
Christian Moll (2012)

Lebensbild von Christian Moll
Schwerpunkt meiner Arbeiten ist das „Portrait“. Hier geht es mir nicht darum spezielle Personen einfach zu malen, sondern Charakteren darzustellen, mit ihren unterschiedlichen Polaritäten. Ein Gesicht zum Leben zu erwecken, mit all seinen Facetten. Dies gelingt mir nur, wenn ich aufgeladen bin. Nur dann kann ich mich in einem extrem intensiven Malprozess entladen. Dies nenne ich „Flow“. Es strömt aus mir heraus, mein Bewusstsein und „sprachliches“ Denken verschwindet und wird mit meinem „bildnerischen“ Denken ersetzt. Ich konstruiere nicht mehr, ich plane nicht mehr, sondern male nur noch. Ich fühle Farbe, die Linien fließen ohne darüber nachzudenken. Da ich Flächen meist mit Linien darstelle, mehr oder weniger abstrakt, mit meinem sehr intensiven Pinselstrich, möchte man aus der Nähe betrachtet glauben, es ist ein abstraktes Wirrwarr. Aber dieses vermeintliche Durcheinander setzt sich mit zunehmender Entfernung zu etwas Figurativem zusammen.
Die hohe Komplexität der Gestaltung fordert den Betrachter. So zwingt sie Ihn zur Entdeckungsreise. Die Spannung nimmt zu und es gibt Immer wieder etwas Neues zu entdecken. Die Figuren verfallen und setzten sich wieder zusammen, immer wieder. Dies ist eines der Geheimnisse der fortwährenden Spannung.
Mit sechs fing ich an zu malen. Mit acht malte ich die ersten Gesichter. Mit 10 sammelte ich die Aufkleber von Fußballspieler, die ich abmalte. Mit 12 gelang mir das erste Frauen-Porträt mit einer eigenständigen, sehr intensiven Ausstrahlung. Mit 14 begann ich Gesichter zu abstrahieren. Mit 16 begann ich mit der Ölmalerei, mit 18 mit der experimentellen Malerei, in der ich häufig den Pinsel, mit allem greifbaren als Malinstrument ersetzte.
Nach dem Abitur und Zivildienst entschied ich mich „etwas Anständiges“ zu studieren und schrieb mich in der Universität Mannheim zum BWL-Studium ein. Doch es dauerte keine zwei Semester und ich ertrug die Langeweile des Studiums nicht mehr. Ich exmatrikulierte mich.
Es war Anfang 1989, als ich zu einem Freund in eine alte Villa zog und zwei Jahre lang Tag und Nacht malte. In meinen Zimmern, ohne Heizung, ging ich, wie im Rausch die Leinwand an. Mein Bewusstsein des Unbewussten im Malprozess war geboren. So passierte es oft, dass Freunde 10 bis 15 Minuten hinter mir standen, mich beobachteten und ich es nicht registrierte. Wie abwesend wütete ich an der Staffelei.
Ein Unfall meines Vaters und eine nicht wirklich zurückkommende Genesung „zwangen“ mich im Weingut meines Vaters einzuspringen. Sehr schnell fühlte ich mich unabkömmlich, holte nebenbei mein BWL-Studium nach und es vergingen die Jahre im Weingut – ohne die Malerei, denn beides geht nicht. Setzt doch die Malerei voraus, dass ich meine bipolare Gefühlsveranlagung laufen lasse, was für das Arbeiten im Weingut zum Chaos führen würde.
So habe ich mich über 20 Jahre im Inneren geknebelt, bis es nicht mehr ging und ich seit 2011 die operative Tätigkeit beendete, um mich ausschließlich der Malerei zu widmen.



